N ofretete - neben Kleopatra die wohl schoenste und anmutigste Frau des antiken Aegyptens und durch den Fund der Büste der Nofretete unsterblich geworden. Wer aber verbarg sich hinter diesem Gesicht? Beschraenkte Nofretete sich einzig und allein drauf, schoen zu sein, oder aber war sie weit mehr?

Die Herkunft Nofretetes ist bis dato ungeklaert. Einerseits wird vermutet, sie waere eine mitannische Prinzessin und eigentlich Amenophis III. Als Frau zugedacht worden. Auf der anderen Seite sind etliche Aegyptologen der Ansicht Taduchepa - so ihr "Mädchenname" - war die Tochter Ti und Ejes, letzterer war ein hoher Beamte am Hofe Pharao Amenophis III.Wahrscheinlicher scheint erstere Annahme, da Nofretete nicht nur hellere Haut hatte als ueblich, sondern auch eine Schwester mit dem fremd klingenden Namen Mutnedjemet.Bevor Amenophis III. Nofretete ehelichen konnte, verstarb der schon kraenkliche Pharao. Sein Sohn, Amenophis IV., auch als Echnaton bekannt, erbte sozusagen Nofretete von seinem Vater, ehelichte sie und machte sie zu seiner Großen koeniglichen Gemahlin. Nofretete, aelter und erfahrener, lenkte den noch minderjaehrigen Pharao gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter Teje. Ein Jahr nach der Thronbesteigung, schenkte Nofretete innerhalb von 5 Jahren vier Toechtern das Leben: Meritation, Maketaton, Anchesenpaaton und Neferneferuaton Tascherit. Spaeter gebar Nofretete noch 2 Toechter. Im 5. Regierungsjahr der Koenigspaares kam es zur Gruendung der neuen Reichshauptstadt Achetaton ( das heutige Tell-el-Amarna) auf halbem Wege zwischen Memphis und Theben, den beiden alten Hauptstaedten. Diese Gruendung stellt einen Wendepunkt - und sei es nur für kurze Zeit gewesen - in der aegyptischen Geschichte dar. Von nun an verkuendete Echnaton seine neue Lehre: Der bisherige Reichsgott Amun und seine zahlreiche und maechtige Priesterschaft hätten, wie jeder andere Gott auch, ihren Einfluß verloren. Der einzige Gott, dem die volle Aufnmerksamkeit gebuehrt, ist Aton, der Sonnnengott, dargestellt mittles einer Sonnenscheibe mit Strahlenarmen. Amun, Re, Harachte, Ptah, Hathor, Mut wurden bedeutungslos und sollten nachdem Willen des Pharaos, der Vergessenheit anheim fallen. Echnaton und Nofretete wurden somit zu den Gruendern der wahrscheinlich ersten monotheistischen Staatsreligion der Welt. Die Sonne als Lebensspender und den Ablauf des Lebens der Menschen bestimmende Element wurde unumschränkt angebetet. Der Pharao selbst ernannte sich zum einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen. Damit hielt Echnaton sowohl weltliche als auch geistliche Staatsgewalt in Haenden. Doch der Schritt zum Monotheismus und die Verbannung der anden Goetter, die schon seit fast 2 Jahrtausenden angebetet wurden, in die Bedeutungslosigkeit, konnte beim einfachen Volk nie ganz vollzogen werden.
Allgemein nimmt man an daß der einfluß Nofretetes auf diese Entscheidungen groß, wenn nicht überhaupt sie die Initiatorin dieses - quasi - Umsturzes gewesen war. Fast saemtliche Bereiche des Lebens waren von der Reform betroffen, und somit auch die Kunst. Unter der Regie des Koenigpaares bildete sich ein für aegyptische Verhaeltnisse - extrem naturalistischer Kunststil. Anstelle von den sonst so stoischen Abbildungen traten lebendige und bewegte. Sogar Wind wurde mittels wehenden Baendern nachgehamt. Das wichtigste Gebot des Pharaos war jedoch alles gemaeß der Wahrheit - das oberste Prinzip - zu zeigen. Selbst der Gottkoenig und seine Große königliche Gemahlin bestanden darauf mit allen ihren Fehlern abgebildet zu werden. (Dieser Drang nach Wahrheit und Wirklichkeit führte dazu, daß Haeßlichkeiten ueberbetont wurden.) Erstmals in der aegyptischen Kunstgeschichte wurde der Pharao im Kreise seiner engsten Familie gezeigt (siehe Reliefplatte; Koenigspaar mit 3 Toechtern ). Indem der Gottkoenig zutiefst menschlich dargestellt wurde, brach er eine Tradition: Der Pharao hatte naemlich über allen Dingen zu stehen. Doch nun zeigte er sich in Situationen, die jeder normal-sterbliche Aegypter - egal welchen Ranges - aus seinem Leben kannte.

Auf dem Hoehepunkt der religioesen Umwaelzungen, im 9. Regierungsjahr - veranlaßte der Pharao die letzte, endgueltige Maßnahme zur Ausloeschung der anderen Goetter: Die Tilgung deren Namen aus allen bekannten Inschriften. Steinmetze wurden in alle Teile des Landes geschickt, um die Namen der verhaßten Goetter aus allen Inschriften auszuloeschen. Dieser aggressive Schritt zum Monotheismus brachte die Priester, allen voran die Amun-Re-Priesterschaft gegen das Herrscherpaar auf. Zu den inneren Unruhen kamen auch noch außenpolitische in Vorderasien. Die Fuersten von Amurru und Kadesch intrigierten geschickt gegen Aegypten und so mußte letztenendes der Pharao Vergeltung ueben.
Nofretete aber war zu dieser Zeit in einem ganz anderen Dilemma. Sie hatte Echnaton zwar sechs Toechter geboren, doch der erhoffte Thronfolger blieb aus. Aegyptologen nehmen an, daß sie deshalb von ihrem Ehemann verstoßen wurde, da ab dem 12. Regierungsjahr Daten ueber Nofretete nur mehr sporadisch vorhanden sind. Echnaton nahm sich eine Nebenfrau, Kija, als "Ehefrau und große Geliebte des Koenigs". Auch heiratete er seine beiden Toechter Meritaton und Anchesenpaaton, was innerhalb koeniglicher Familien nichts Ungewoehnliches war, um die Dynastie zu erhalten.
Doch auch aus diesen Verbindungen ging kein Thronfolger hervor. Aus diesem Grund bestimmte Echnaton wahrscheinlich einen Verwandten aus koeniglichem Hause, Semenchkare, zu seinem Mitregenten und Nachfolger. Die Mitregentschaft wird zwar von einigen bezweifelt, doch eine ca. einjaehrige Regierungszeit scheint gesichert zu sein. Um seinen Anspruch auf den Thron zu stärken nahm SemenchkareMeritaton, die aelteste Tochter Nofretetes und Echnatons, zur Frau. Da Semenchkare denselben Thronnamen benutzte wie Nofretete - Anchcheprure - wird immer wieder von Wissenschaftern behauptet, Nofretete selbst habe nach Echnatons Tod regiert. Gut dazu passen würde ein Hilferuf an den hethitischen Koenig Supiluliuma I., in dem es heißt:

    "Mein Gatte ist tot, und ich habe keinen Sohn. Aber man sagt mir, daß du viele Soehne hast. Wenn du mir einen deiner Soehne schickst, koennte er mein Gemahl werden. Ich bin nicht geneigt, einen Diener von mir zu nehmen und ihn zu meinem Gatten zu machen."
In der Tat leistete der Koenig dem Hilferuf folge, und sandte seinen Sohn Zannanza nach Aegypten. Er wurde jedoch auf dem Weg dahin ermordet und Tutenchamun, bestieg den Thron. Einer gegenlaeufigen Version zufolge, stammt dieser Hilferuf nicht von Nofretete, sondern von Semenchkares Frau, Meritaton. Dieses Raetsel wird leider nie vollstaendig geklaert sein, da nachfolgende Herrscher alles taten, um die Erinnerungen an diese "ketzerische Periode" auszuloeschen. Gesichert ist jedoch, daß Nofretetes Spuren am Ende ihres Lebens spärlich und uneindeutig sind. So kann auch ueber die naeheren Umstaende ihres Todes, nichts Genaueres gesagt werden.

Nur eines blieb: Die Erinnerung an eine starke Frau, die mehr war als nur attraktiv. - Sie war die wohl einflußreichste Frau ihrer Zeit, die es verstand ihren Mann und damit Aegypten zu lenken.




                                                                           - Tina





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